Das Bild der „guten Mutter“
Muttertag war für mich lange kein leichter Tag. Ich habe mich oft geschämt, weil ich ein sehr klares Bild davon hatte, wie eine „gute Mutter“ zu sein hat. Geduldig. Liebevoll. Immer präsent. Eine Heile-Welt-Mutter mit Schürze um die Hüfte, Zeit für ihre Kinder und einem Lächeln im Gesicht.
Meine Realität sah anders aus.
Ich war oft ungeduldig. Ich habe die Arbeit häufig über Bedürfnisse gestellt und erst viele Jahre später verstanden, warum.
Das, was ich anders machen wollte
Heute sehe ich klarer, dass ich in meiner Mutterrolle unbewusst zwei Dinge anders machen wollte, als ich sie selbst erlebt hatte. Ich wollte meine Kinder nicht ständig irgendwo unterbringen müssen oder alleine lassen, weil ich arbeiten musste. Und ich wollte nicht, dass sie in Armut aufwachsen.
Beides habe ich erreicht. Ich habe von Zuhause gearbeitet. Wir waren finanziell gut aufgestellt. Meine Kinder mussten vieles nicht erleben, was für mich früher selbstverständlich gewesen war.
Und gleichzeitig waren die Kinder oft oben im Haus, während mein damaliger Mann und ich unten im Büro saßen und arbeiteten. Wir haben sehr viel gearbeitet. Für mich gehörte das damals einfach dazu. Erst später wurde mir bewusst, dass körperliche Nähe und wirkliche Präsenz nicht dasselbe sind.
Die Frage nach Nähe
Mit der Zeit hat mich immer wieder eine Frage gequält:
Was muss ich verändern, damit ich mehr Nähe zu ihnen aufbauen kann? Wie kann ich mehr für sie da sein?
Ich habe damals keine Antwort darauf gefunden. Stattdessen machte ich oft einfach weiter. Arbeitete weiter. Funktionierte weiter. Und war gleichzeitig frustriert darüber, dass ich nichts veränderte.
Heute glaube ich, dass die eigentliche Antwort eine ganz andere war.
Dass ich anfangen musste, mir selbst näher zu kommen.
Mich selbst kennenzulernen.
Zu verstehen, warum ich so viel gearbeitet habe. Warum ich innerlich oft unter Spannung stand. Warum es mir schwerfiel, wirklich präsent zu sein, obwohl ich meine Kinder liebte.
Der Blick auf meine Töchter
Was mich heute tief berührt, ist der Blick auf meine Töchter. Drei von ihnen sind selbst Mütter und ich sehe immer wieder Dinge, die sie mit ihren Kindern anders machen als ich damals. Das bewegt etwas in mir. Es inspiriert mich. Und ja, es macht mich auch stolz.
Eine Situation hat sich besonders in mir eingeprägt. Eine meiner Töchter lebte damals mit ihrer kleinen Tochter in der obersten Etage eines Hauses. Die Kleine war etwa zwei Jahre alt und liebte es, durch den langen Flur zu rennen. Meine automatische Reaktion wäre früher sofort gewesen: „Bitte nicht so laut. Denk an die Nachbarn.“ Vermutlich noch bevor sich überhaupt jemand beschwert hätte.
Meine Tochter reagierte anders.
Als der Nachbar von unten begann, sich mit einem Besenstil gegen die Schritte des Kindes zu beschweren, sagte sie ihm ruhig, dass ihre Tochter das Recht habe, Kind zu sein und zu rennen. Sie klärte es sogar mit dem Vermieter ab, der ihre Sicht teilte.
Dieser Satz hat damals sehr viel in mir bewegt:
„Sie hat das Recht, Kind zu sein.“
Weil ich plötzlich gespürt habe, wie tief dieses frühe Angepasstsein in mir selbst verankert war.
Offenheit, Echtheit und Freiheit
Eine andere Tochter inspiriert mich bis heute dadurch, wie offen sie mit ihrer eigenen Tochter über mentale Gesundheit spricht. Über Gefühle. Über schwierige Phasen. Über das, was innerlich passiert. Ohne sich zu verstecken. Ohne so zu tun, als müsste immer alles in Ordnung sein.
Und meine dritte Tochter berührt mich immer wieder damit, wie sehr sie sich zeigt, wie sie wirklich ist. Sie trägt keine Maske. Sie zeigt ihre Gefühle. Ihren Kindern gegenüber und auch im Außen. Dieses ständige „Was denken die Leute?“ steuert sie nicht, so wie es mich früher gesteuert hatte. Manchmal ist das für mich sogar heute noch herausfordernd. Und gleichzeitig empfinde ich genau darin etwas sehr Freies.
Vielleicht beginnt Veränderung manchmal genau dort:
Wenn wir uns selbst ehrlich begegnen und dadurch etwas weitergeben, das freier ist als das, was wir selbst gelernt haben.
Ehrliche Fragen zum Muttertag
Welche Vorstellungen davon, wie Du als Mutter sein solltest, trägst Du bis heute in Dir?
Welche davon stammen wirklich aus Dir selbst und welche aus Prägung, Angst oder gesellschaftlichen Bildern?
Und was würde sich verändern, wenn Du anfangen würdest, Dir selbst mit derselben Menschlichkeit zu begegnen, die Du Dir vielleicht auch für Deine Kinder gewünscht hast?
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Absatz aktualisiert – 13.05.2026
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