Die Klarste im Raum gewinnt
Morgen, Sonntag, fahre ich für eine Woche ins Allgäu. Gemeinsam mit vier Frauen, mit denen ich vor zehn Jahren die Ausbildung in heimischer Ethnomedizin gemacht habe. Eine Frau, die uns damals während der Ausbildung begleitet hat, bietet dort eine Ethno-Woche an und eine von uns hatte die Idee, dass wir fünf gemeinsam daran teilnehmen könnten.

Von ihr kam auch die Idee, noch eine Nacht länger zu bleiben, weil sie in der Gegend Freunde besuchen möchte. Wir anderen vier waren damit einverstanden und so war geplant, dass wir gemeinsam hinfahren, die zusätzliche Nacht bleiben und anschließend gemeinsam zurückfahren.
Wenn ein gemeinsamer Plan plötzlich eierig wird
Als wir uns dann um diese zusätzliche Übernachtung kümmerten, wurde es allerdings irgendwie eierig. Die Übernachtung war recht teuer und es stand auch noch gar nicht fest, ob unsere Unterkunft anschließend schon wieder belegt sein würde. Wir überlegten hin und her, wie wir es machen könnten, und irgendwann fragte diejenige, die länger bleiben wollte: „Was ist denn los? Warum eiert Ihr so? Ich bin ganz klar. Ich möchte noch eine Nacht bleiben. Und wenn Ihr früher fahren wollt, fahre ich auch allein.“
Damit stand plötzlich eine Möglichkeit offen, die vorher noch gar nicht im Raum gewesen war. Und gleichzeitig war meine erste Reaktion: „Wir können sie doch nicht alleine nach Hause fahren lassen. Wir sind doch als Gruppe da.“
Was will ich eigentlich?
Am selben Tag waren eine der Frauen und ich sowieso schon zum Spazierengehen verabredet. Sie sagte zu mir, dass sie eigentlich lieber früher nach Hause fahren würde. Ich spürte daraufhin noch einmal bei mir nach und stellte fest: Ich auch. Einer weiteren Frau ging es genauso.
Das fand ich spannend. Denn damit wollten drei von uns eigentlich früher nach Hause fahren. Wir hatten der zusätzlichen Nacht vorher alle zugestimmt und teilweise hatten wir bis zu diesem Moment selbst noch gar nicht richtig wahrgenommen, dass wir inzwischen etwas anderes wollten. Erst dieses ganze Gehampel um die Übernachtung hatte dazu geführt, dass wir überhaupt noch einmal genauer hingeschaut haben.
Später stellte sich dann noch heraus, dass sie selbst ursprünglich am liebsten allein gefahren wäre. Auch sie hatte sich also an die Gruppe angepasst. Gleichzeitig war für sie völlig klar: Ich will diese Nacht bleiben. Ob wir anderen ebenfalls bleiben oder früher nach Hause fahren, war für sie gar keine Frage. Jede konnte es so machen, wie es für sie passte.
Die Klarste im Raum gewinnt
Vor vielen Jahren habe ich mal den Satz gehört: „Die Klarste im Raum gewinnt.“
An den musste ich bei dieser Geschichte wieder denken. Denn genau das ist für mich hier passiert. Ihre Klarheit hat etwas in Bewegung gebracht. Sie hat ausgesprochen, was sie möchte, und dadurch haben auch wir anderen noch einmal hingespürt: Was will ich eigentlich?
Wie schnell wir uns anpassen, ohne es zu merken
Und ich finde es schon erstaunlich, wie schnell wir uns anpassen können, ohne es überhaupt zu merken. Wir hatten schließlich alle zugestimmt. Also war doch eigentlich alles klar. Dachten wir. Erst als es im Außen anfing zu haken, haben wir gemerkt: So klar ist es offenbar doch nicht.

Und genau das kennen wir wahrscheinlich aus vielen Bereichen unseres Lebens. Wir sagen Ja zu etwas. Wir treffen eine Entscheidung. Wir machen etwas mit, weil es in dem Moment für uns passt. Und irgendwann passt es vielleicht nicht mehr. Nur bekommen wir das nicht unbedingt sofort mit.
Ist mein Ja heute noch ein Ja?
Manchmal braucht es erst dieses Haken. Dieses Gefühl von: Irgendetwas stimmt hier gerade nicht. Und dann lohnt es sich, noch einmal bei sich selbst nachzufragen:
Was möchte ich eigentlich? Was brauche ich? Und ist das, wozu ich irgendwann einmal Ja gesagt habe, heute noch stimmig für mich?
Für mich ist auch das ein Teil des Weges zurück zu mir. Immer wieder wahrzunehmen, was gerade in mir los ist. Was meins ist. Was für mich stimmt. Und mir zu erlauben, dass meine Antwort heute eine andere sein darf als gestern.
Genau daran musste ich bei dem Satz „Die Klarste im Raum gewinnt“ denken. Durch ihre Klarheit haben auch wir anderen noch einmal hingespürt und konnten klarer werden in dem, was wir selbst wollten.
Vielleicht gibt es auch in Deinem Leben gerade etwas, bei dem es ein bisschen „eierig“ ist. Etwas, bei dem Du hin und her überlegst oder merkst, dass es irgendwie hakt. Dann könnte genau das ein guter Moment sein, Dich zu fragen: Was will ich eigentlich?
Wieder spüren, was für Dich stimmt
Und damit bin ich ziemlich genau bei dem, worum es auch bei meinem Begegnungswochenende „Vom Überleben ins Leben“ vom 2. bis 4. Oktober in Wetter-Wengern geht. Einmal raus aus dem Alltag, Zeit haben, hinspüren und wieder deutlicher mitbekommen, was eigentlich in Dir los ist.
Denn im Alltag gehen solche leisen Signale schnell unter. Da gibt es Termine, Verpflichtungen, andere Menschen und all die Dinge, die erledigt werden wollen. Und manchmal braucht es ein bisschen Abstand, damit überhaupt wieder hörbar wird: Was brauche ich? Was möchte ich? Was fühlt sich für mich gerade stimmig an?
Genau diesen Raum möchte ich an diesem Wochenende geben. Wir sind maximal sechs Frauen, haben Zeit für Gespräche, für uns selbst, für Natur und auch für das, was sich in diesen Tagen ganz von selbst zeigt.
Und wer weiß: Vielleicht braucht es manchmal gar keine große Antwort. Vielleicht reicht erst einmal dieser eine Moment, in dem Du merkst: Ach, guck mal. Eigentlich möchte ich etwas ganz anderes.
So wie bei uns und dieser einen zusätzlichen Nacht im Allgäu.
Wenn Du ein Thema vertiefen möchtest, findest Du hier verschiedene
Möglichkeiten. Du kannst Dir persönliche Unterstützung holen,
gemeinsam mit anderen neue Perspektiven entdecken oder in Deinem
eigenen Tempo weiterarbeiten.
Für klare Fragen, belastende Situationen und Momente, in denen
Du wieder ruhiger werden und erkennen möchtest, was jetzt für
Dich dran ist.
Begegnungsraum, Aufstellungen, Gesprächsabende und weitere
Formate, in denen Austausch, neue Blickwinkel und gemeinsames
Erleben Raum bekommen.
Bücher, Wegbegleiter, Kartensets, Kalender, Postkarten und
Onlinekurse unterstützen Dich dabei, Themen zu vertiefen und
Zusammenhänge besser zu verstehen.
Im Blog, auf YouTube und bei den Online-Kartenlegungen findest
Du weitere Gedanken und Anregungen für Deinen Weg.
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Absatz aktualisiert – 01.08.2026
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