Vor vielen Jahren stieß ich auf die Lehren der Mystikerschule von Chartres. Dort begegnete mir eine Sichtweise, die mich bis heute begleitet.

Die Mystiker beschrieben verschiedene Muster, die Menschen immer wieder von ihrem Weg abbringen. Als ich mich damals intensiver damit beschäftigte, merkte ich schnell, dass da etwas dran ist.

Immer dann, wenn ich meinen inneren Frieden verlor, war meist eines dieser Muster beteiligt. Mal wollte ich etwas kontrollieren, das sich nicht kontrollieren ließ. Mal richtete sich mein Blick auf den Mangel in meinem Leben. Mal verlor ich mich im Funktionieren und im Erfüllen von Erwartungen.

Je länger ich diese Muster beobachtete, desto deutlicher wurde: Der Kampf begann in meinem Denken.

Genau deshalb ist der fünfte Monat meines Online-Kurses Frieden im KopfVorschau diesen Hindernissen gewidmet. Denn oft glauben wir, wir müssten noch etwas dazulernen, um innerlich ruhiger zu werden. Häufig geht es jedoch darum, die Dinge zu erkennen, die uns immer wieder aus unserer Mitte herausziehen.

Kontrolle

Eines der stärksten Muster ist der Wunsch nach Kontrolle.

Wir möchten wissen, wie etwas ausgeht. Wir möchten Sicherheit. Wir möchten verhindern, dass Fehler passieren oder wir verletzt werden. Das Problem ist nur: Das Leben hält sich selten an unsere Pläne.

Vor vielen Jahren schrieb ich dazu:

Wenn Du allem Deinen Willen aufdrücken und alles kontrollieren willst, wirfst Du Dir selbst Sand ins Getriebe.

Diesen Satz finde ich heute noch genauso treffend wie damals.

Zorn

Zorn ist nicht automatisch etwas Schlechtes. Vor vielen Jahren begann ich, zwischen aktivem und passivem Zorn zu unterscheiden.

Passiver Zorn richtet sich auf Dinge, die außerhalb unseres Einflusses liegen. Auf andere Menschen, politische Entscheidungen, das Weltgeschehen oder Situationen, die wir nicht verändern können.

Aktiver Zorn lädt uns ein, genauer hinzuschauen. Er fragt: Warum macht mich genau das gerade so zornig? Was wird hier in mir berührt?

Je öfter ich mir diese Frage stellte, desto deutlicher wurde mir, dass die eigentliche Ursache selten im Außen lag. Der Zorn war oft nur der Wegweiser.

Mangeldenken

Neid ist ein sehr komplexes Thema. Neid kann viele oberflächliche Ursachen haben: Missgunst, Be- und Verurteilung, Eifersucht und vieles mehr. Alles läuft auf dasselbe hinaus: Wir denken, dass wir etwas verdienen, was jemand anderer nicht verdient.

Sagt wer jetzt genau?

Auch hier versucht sich das Ego in den Vordergrund zu spielen.

Wenn wir unseren Blick immer wieder auf das richten, was andere haben und wir nicht, landet unsere Aufmerksamkeit automatisch auf dem Mangel. Und dorthin, wo unsere Aufmerksamkeit geht, fließt auch unsere Energie.

Je mehr wir uns auf das konzentrieren, was fehlt, desto mehr Mangel erleben wir.

Ablenkung

Dieses Muster ist heute vermutlich stärker als jemals zuvor.

Das Funktionieren. Das Erfüllen von Erwartungen. Die täglichen Verpflichtungen. Soziale Medien. Nachrichten. Videos. Die Dramen anderer Menschen.

Wir können uns stundenlang mit dem beschäftigen, was irgendwo auf der Welt oder im Leben anderer Menschen geschieht, und gleichzeitig kaum noch wahrnehmen, was eigentlich in uns selbst vorgeht.

Oft erzählen wir uns, dass das Leben dazwischenkam oder dass wir keine Zeit hatten. Manchmal haben wir unsere Aufmerksamkeit einfach so vielen Dingen im Außen geschenkt, dass für uns selbst kaum noch etwas übrig geblieben ist.

Gier

Gier muss sich nicht nur auf materielle Dinge beziehen. Auch Machtgier fällt darunter.

„Haben wollen“ steht in direktem Gegensatz zu allem spirituellen Sein. Unsere Seele weiß um die Fülle in und um uns herum. In uns sind wir mit der Quelle allen Seins verbunden.

Alles, was wir je an uns gerafft haben, liegt auf dieser Quelle und bedeckt sie. Es gilt, sie freizulegen und sie sprudeln zu fühlen.

Eine spannende Frage ist deshalb:

Was ist es, was Du an Dich raffst und anhäufst?

Sucht

Allen Süchten liegt die Maßlosigkeit zugrunde. Irgendwo in uns gibt es ein Fass ohne Boden.

In einem Lebensbereich wird ein Mangel gespürt und es wird versucht, diesen Mangel an anderer Stelle auszugleichen. So funktioniert das aber nicht.

Wenn im Kühlschrank die Milch fehlt, hilft es Dir nicht, wenn Du stattdessen zwei Kilo Wurst kaufst. Mit ihr kannst Du nur sehr schlecht Kakao zubereiten.

Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Wo fehlt Dir das Maß und was fehlt Dir wirklich?

Kommt Dir das bekannt vor?

Kleiner Fun Fact:

Kamen Dir diese sieben Muster bekannt vor? Lange Zeit waren sie unter einem anderen Namen bekannt: die sieben Todsünden. Ich habe lediglich die Bezeichnungen ein wenig mehr in die heutige Zeit geholt.

Mit diesen „Mustern des bösen Denkens“, wie sie damals genannt wurden, bezeichnete man Stolpersteine, die Menschen auf ihrem Weg begegnen können. Und sie begegnen uns auch heute noch.

Diese Liste sollte den Menschen ursprünglich helfen, auf ihrem Weg zu bleiben. Denn es hilft, wenn man weiß, welche Hindernisse einem begegnen können.

Die ursprüngliche Liste war nie dazu gedacht, Menschen zu bestrafen, zu beschämen oder zu unterwerfen. Sie sollte Orientierung geben.

Es geht nicht darum, Schuldige zu suchen oder sich selbst zu verurteilen. Es geht darum, ehrlich hinzuschauen. Veränderung ist nur möglich, wenn wir etwas verändern. Und um etwas verändern zu können, müssen wir zuerst erkennen, wo wir ansetzen können.

Genau darum geht es im fünften Monat von Frieden im Kopf.

Bewusstseinsübung

Mache für Dich Bestandsaufnahme.

Welches dieser Muster begegnet Dir aktuell am häufigsten?

Und dann überlege Dir, welche Schritte Du in den nächsten 72 Stunden unternehmen kannst, um einen oder mehrere dieser Punkte in Deinem Leben zum Besseren zu wandeln.

Damit Du wirklich dranbleibst, erzähle einer Freundin oder einem Freund davon, sodass sie oder er bei Dir nachhaken und Dich dabei unterstützen kann, ins Handeln zu kommen.

Mögest Du die Muster Deines Denkens beleuchten und entwirren, das wünsche ich Dir.


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Absatz aktualisiert – 20.05.2026


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