Ich unterhielt mich neulich mit jemandem über Gott. Sie sagte, dass sie ohne ihn an ihrer Seite nicht durch ihre sehr traumatische Kindheit gekommen wäre. Dasselbe sagten noch einige andere Menschen, mit denen ich mich in letzter Zeit unterhielt.

Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Verbindung zum Göttlichen mir durch schwere Zeiten hilft. Und gleichzeitig zeigt sie sich oft mitten im ganz normalen Alltag. Ich erlebe immer wieder, wie hilfreich die geistigen Wesen an meiner Seite sind.

Ich kann mich sehr gut an einen Tag erinnern, als ich joggen war. Ich war schon länger unterwegs und kurz davor, aufzuhören. Auf einmal nahm ich Erzengel Michael wahr, der meine Aufmerksamkeit auf ein Haus richtete, das vielleicht 500 Meter vor mir am Wegesrand stand, und sagte: „Bis dahin schaffst Du es aber auch noch, oder?“

Ich dachte mir: „Warum nicht?“ und rannte noch ein Stück weiter. Dort angekommen nahm ich ihn wieder wahr, wie er mit einem Lächeln sagte: „Ach komm, jetzt bist Du schon so weit gekommen, jetzt kannst Du doch auch noch ein bissl weiter.“

Ich musste lachen und rannte noch ein Stückchen weiter.

Erzengel Michael begegnete mir später auch öfter, wenn ich mit Klienten in inneren Räumen und mit inneren Bildern arbeitete. Dabei hatte er erstaunlich oft nicht sein berühmtes Schwert dabei, sondern einen Heavy-Duty-Staubsauger, mit dem er Energien aufsaugte, die „entsorgt“ werden konnten. 🙂

Künstlerin: B. Doyen

Erz-Engel-Michael

Ich mag diese Erlebnisse auch deshalb so sehr, weil sie meinem Bild von Spiritualität entsprechen. Die geistige Welt ist für mich nicht nur ernst, feierlich und ehrfurchtgebietend. Sie ist auch sehr humorvoll, pragmatisch und schon fast erstaunlich alltagstauglich.

Ein anderes Mal sah ich Yeshua, Jesus, an einem Fluss stehen. Er hatte leere Säcke bei sich und sagte mir, ich könne all das, was mir auf der Seele liegt und mich beschwert, in diese Säcke tun. Dieses Bild half mir sehr.

Wie ich wahrnehme

Ich höre keine Stimmen, das heißt, ich bin nicht hellhörig. Okay, das stimmt nicht ganz: Einmal hörte ich eine Stimme ganz klar, obwohl ich alleine in meinem Bad stand.

Die Art und Weise, wie ich Informationen aufnehme, ist meist durch Hellfühlen und Hellwissen. Oft ist es ein Mix aus beidem. Hellsichtigkeit kommt auch dazu, wenn mir zu etwas Bilder kommen. Manchmal ist es einfach ein Wissen, dass etwas oder jemand so oder so aussieht.

Andere Menschen nehmen über den Geruchssinn wahr, zum Beispiel Zigarettenrauch oder den Apfelkuchen der verstorbenen Oma. Manche haben auf einmal Liedtexte im Sinn. Wieder andere spüren etwas im Körper oder wissen plötzlich etwas, ohne erklären zu können, woher dieses Wissen kommt.

Es gibt viele verschiedene Wege, auf denen wir Informationen aufnehmen können.

So unterschiedlich wir wahrnehmen, so unterschiedlich kann auch der Kontakt zur geistigen Welt sein. Und wir haben ganz viele „Helferlein“, die uns zur Seite stehen. Sie tun, was sie können. In vielen Situationen müssen wir aber auch einfach um Hilfe bitten.

Du siehst: Bitten und beten liegen nah beieinander.

Beten ist mehr als Bitten

In Deutschland kennen viele Menschen vor allem das Bittgebet. Wir bitten Gott um etwas, das wir uns wünschen. Dabei liegt unser Fokus schnell auf dem, was uns fehlt, also auf dem Mangel.

Außerdem wissen wir gar nicht, ob das, was wir wollen, wirklich das ist, was gut für uns ist.

Wir können vielleicht darum beten, dass wir den Zuschlag für die tolle Wohnung bekommen, die wir gesehen haben, und sind dann sehr enttäuscht, wenn wir ihn nicht erhalten. Was wir nicht wissen, ist, dass der Nachbar uns dort vielleicht das Leben zur Hölle gemacht hätte.

Ich habe neulich auf Instagram einen Beitrag von Issa Ismailat gesehen, der mich sehr angesprochen hat. Darin sprach er unter anderem von dem arabischen Wort Salah, das im eigentlichen Sinne „Verbindung“ bedeutet. Es geht darum, eine Verbindung zu Gott herzustellen.

Das Wort Du’a wird meist mit „Bittgebet“ übersetzt. Die Wortwurzel bedeutet allerdings „Einladung“. Du lädst Gott und seine Weisheit in Dein Leben ein.

Er rezitierte als Beispiel ein Du’a:

Gott sei in meinen Augen und in meinem Sehen. Gott sei in meinem Hören und in meinem Sprechen. Gott sei in meiner Reaktion und in meinem Handeln. Gott sei in meinen Entscheidungen.

Und er sagte einen Satz, der bei mir hängen geblieben ist:

„Wir haben Gott zu sehr unsere Wünsche erklärt und zu wenig seine Gegenwart eingeladen.“

Das finde ich einen wunderschönen Blickwinkel.

Gebete sind für mich Gespräche mit Gott

Für mich sind Gebete Gespräche mit Gott. Mit dem Göttlichen kann man sich über alles unterhalten. Und wenn man sich öffnet und ihm Raum gibt, nimmt man auch die Antwort wahr.

Gebet kann dabei ganz unterschiedlich aussehen. Wir können bitten, danken, segnen oder um Heilung beten. Es gibt rituelle Gebete, wie sie beispielsweise indigenen Völkern zugeschrieben werden. Gebete können gesungen, getönt oder durch Musik ausgedrückt werden, wie zum Beispiel Mantren. Es gibt Gebete in Form von Symbolen und gefühlsbasierte Gebete.

Die Form ist für mich zweitrangig. Wichtig ist die Verbindung zu Gott.

Wenn wir nur Lippenbekenntnisse leisten, stellen wir keine Verbindung zu ihm her. Dann bleiben die Worte leere Worthülsen.

Gott ist nicht die Kirche

Viele Menschen haben ein Problem mit der Kirche und lassen es geschehen, dass dadurch ihre Verbindung zum Göttlichen zu kurz kommt. Gott und Kirche beziehungsweise Religion hatten leider bislang häufig nicht viel miteinander zu tun.

Wir brauchen die Kirche nicht, um mit Gott in Kontakt zu treten. Wir brauchen auch die Bibel nicht. Wir dürfen selbst wahrnehmen, selbst fragen und selbst in Beziehung mit ihm treten. Gleichzeitig kann sowohl der Gottesdienst als auch die Bibel dabei helfen. Für mich ist entscheidend, die eigene Wahrnehmung zu entwickeln und selbst den direkten Kontakt zu Gott zu suchen.

Es wurde sehr viel ganz bewusst nicht in die Bibel aufgenommen, was da aus meiner Sicht eigentlich hineingehört. Schriften und Überlieferungen wie die Funde von Nag Hammadi oder die Schriftrollen vom Toten Meer zeigen für mich ein sehr viel größeres und vielfältigeres Bild, als es uns heute meist vermittelt wird. Auch die Verbindung Yeshuas zu den Essenern und seine Unterrichtung unter anderem in Qumran gehören für mich zu diesem größeren Bild.

Für mich ist es deshalb wichtig, Gott nicht mit dem gleichzusetzen, was Institutionen über ihn lehren. Ich will selbst wahrnehmen, selbst fragen, selbst lesen und selbst mit ihm in Kontakt treten.

Gleichzeitig ist es wichtig, offen dafür zu bleiben, dass es in den Kirchen ganz viele Menschen gibt, die viel Gutes tun und genau das verkörpern, was damals von einer Gemeinschaft erwartet wurde: füreinander da sein, sich gegenseitig unterstützen, im Alltag und auch im Glauben.

Der liebevolle Blick

Jemand sagte einmal, dass wir in der geistigen Welt von unzählig vielen liebevollen Energien umgeben sind, deren liebevoller und wohlwollender Blick immer auf uns weilt. Dieses Bild hilft mir in schweren Situationen.

Wenn ich mich an Gott, Yeshua, Engel oder wen auch immer in den geistigen Gefilden wenden kann, im Wissen, dass sie für mich da sind und mein Bestes wollen, weiß ich, dass ich nicht alleine bin. Und wenn ich mich schlecht fühle, ist das oft ein Anzeichen dafür, dass ich mich von mir entfernt habe. Dann hilft mir dieser liebevolle und wohlwollende Blick dabei, mich wieder mir selbst zuzuwenden.

Für mich sind der Weg zu Gott und der Weg zu mir selbst tief miteinander verbunden. Gott ist ein Teil von mir. Ich bin ein Teil von ihm. Er ist in mir. Wir sind alle Aspekte von Gott. Wenn wir Gott verleugnen, verleugnen wir einen Teil von uns, vielleicht sogar uns selbst.

Und das ist etwas, was mich stärkt: das Wissen, dass dieser Blick auf mich gerichtet bleibt, auch wenn ich selbst mich aus den Augen verliere.

Deine eigene Verbindung

Es geht nicht darum, einer Glaubensrichtung zu folgen oder irgendetwas zu glauben, was Du nicht fühlst. Es geht darum, dass Du Kontakt herstellst zu dieser höheren Macht, ganz egal, wie Du sie nennst.

Die geistige Welt will Dir nichts Böses. Sie möchte, dass es Dir gut geht. Das heißt nicht, dass Dein Weg immer leicht ist. Das Leben bringt uns auch in Situationen, die uns fordern, erschüttern und verändern. Und gerade diese Erfahrungen geben uns die Möglichkeit zu wachsen, uns spirituell weiterzuentwickeln und uns letztlich wieder näherzukommen.

Vielleicht stehen zwischen Dir und Gott alte Glaubenssätze. Vielleicht das Bild eines strafenden Gottes. Vielleicht Erfahrungen mit Kirche oder Religion. Vielleicht Wut. Vielleicht Enttäuschung. Vielleicht die Frage, wo Gott war, als Dir etwas Schlimmes geschah.

Dann kann Dein eigener Weg genau dort beginnen.

Du darfst selbst fragen. Du darfst ihm gegenüber Deinen Frust rauslassen. Du darfst selbst wahrnehmen. Du darfst Gott in Dein Leben einladen und herausfinden, wie sich Deine ganz eigene Verbindung zu ihm anfühlt.

Ich wünsche Dir, dass es Dir gelingt, Dir Deiner blockierenden Glaubenssätze gegenüber Gott bewusst zu werden und sie abzulegen. Dass Du Dich öffnest für Deine eigenen Erfahrungen und für das, was Dir auf diesem Weg begegnen möchte.

Mögest Du Dich getragen wissen von einer Liebe, die Dich immer wieder zu Dir selbst zurückführt, das wünsche ich Dir.

Iris Ludolf | Friedensberaterin


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Absatz aktualisiert – 20.05.2026


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